Donnerstag, 17. Oktober 2019
Thanksgiving, Candy-Challenge, zwei Rennen und die Wahlen
Am Montag letzte Woche haben Paula und ich eine „Candy-Challenge“ gemacht. Das heißt, wir sind in einen Supermarkt gegangen, haben alle Süßigkeiten, die wir nicht kannten, gekauft, haben viel Geld ausgegeben und dann alle ausprobiert. Teilweise waren die Sachen echt komisch und nicht gut, oder einfach nur langweilig, wo wie Sachen, die wir auch in Deutschland haben. Aber vieles war auch echt interessant. Es gab zum Beispiel Brausepulver, das auf der Zunge gebrutzelt hat. Aber nicht so Deutschland mäßig, dass man fast gar nichts davon merkt. Nein, richtig doll, sodass es fast weh tat! Dann hatten wir so Zimtpillen, die erst süß waren und nach Zimt geschmeckt haben und dann plötzlich richtig scharf wurden! Hier ein Bild von all unseren Sachen:
Candy Challenge

Am Dienstag letzte Woche, den 8.10. hat es das erste Mal geschneit. Zwar nicht in Juniper, wo ich wohne, aber Aberdeen (bei der Mall) und die Bergkuppen waren weiß verschneit. Gott sei Dank hatte ich mir aber am Wochenende zuvor warme Schuhe und einen Mantel gekauft! Morgens war es nämlich teilweise unter null Grad und am Mittwoch beim Rennen in Merritt (eine Stadt ca. eine Stunde von Kamloops entfernt), die viel höher liegt, sind wir durch weiße Landschaften gefahren. Und das hat mich wieder mal daran erinnert, warum ich hier in Kamloops, Kanada bin. Schnee Anfang Oktober, Berge und unfassbare Landschaften.
Roadtrip nach Meritt durch Schneelandschaften mit einem wunderschönen Sonnenuntergang

Beim Rennen in Merritt haben alle vom „Vikes-Team“ (also alle aus meiner Schule) die gleichen roten Handschuhe bekommen. Und als wir die alle anhatten zum Rennen mit unseren roten Trikots, sah das echt cool aus. Team Vikes!
Jedenfalls habe ich mich wohl irgendwie am Knie verletzt bei diesem Rennen, ich konnte die nächsten paar Tage nicht mehr schmerzfrei die Treppen nehmen (ich werde alt, ich weiß). Zum Glück ist meine Gastfamilie athletisch gut ausgerüstet und konnte mir Tabletten geben und hat mir gesagt, ich soll meinen Oberschenkel mal ausrollen. Das tat Schweine weh. Ich hatte es aber auch über anderthalb Monate nicht mehr gemacht, also kein Wunder. Nach zwei Mal habe ich überhaupt keinen Schmerz mehr gespürt. Wunderheilung!

Am Donnerstag war Feuer-Probe-Alarm nach der ersten Pause. Das wusste ich nur nicht. Und ich hatte in der Pause beim Kuchenstand für unser Cross-Country Team ausgeholfen, also kam ich zu spät zum Tanzen, was hieß, ich war allein in der Umkleide, habe mich wie gewohnt umgezogen, Sportshirt an und Schuhe an, als der Feueralarm anging. Alle also raus aufs Feld. Ich ohne Schuhe. Und die Einzige, die sich umgezogen hatte. Was ich erst dann mitbekam. Peinliche Situation würde ich mal sagen…

Am Wochenende war dann Thanksgiving! Es kam viel Familie zu besuch. Zwei Kinder von Leslie mit jeweils ihrem Partner aus Edmonton und die älteste Tochter aus Vancouver. Und abends kam dann immer noch die jüngste Tochter, die hier in Kamloops mit Freunden wohnt. Also ich habe jetzt alle Kinder von Leslie und Rob kennengelernt außer eine, Stephanie. Weihnachten sind dann alle da, wurde mir gesagt. Plus ein paar Omas und Opas, Cousinen und Cousins und wer noch alles.
Thanksgiving ist hier echt eine große Sache und wird richtig gefeiert. So wie Weihnachten würde ich sagen. Es gibt jeden Tag etwas besonderes zum Essen und Nachtisch und abends wird zusammen ein Film geguckt oder es werden Spiele gespielt.
Samstag waren wir alle zusammen bei der „Desert Hills Ranch“ in Ashcroft. Diese versprach über Facebook „nur spaßige Aktivitäten“. Und echt: Es gab zwei Kürbis-Kanonen, mit denen man Kürbisse auf die andere Seite des Flusses schießen konnte. Dann gab es wirklich gute mexikanische Tacos, einen riesigen Markt mit unglaublich billigem Obst und Gemüse (teilweise sogar gratis), das dort direkt hinter den Ständen gepflanzt wurde. Und zu guter Letzt, der Grund warum wir dort hingefahren sind, was die Tradition meiner Gastfamilie zu Thanksgiving ist; Man konnte sich seine eigenen Kürbisse vom Feld aussuchen, die wir dann für Halloween schnitzen werden. Und Holy Moly, waren die schwer. Gut, ich habe vielleicht auch einen sehr großen ausgesucht. Aber er ist wirklich schön. Ich hoffe ich werde ihn nicht zu sehr zerstören beim schnitzten, ich bin in sowas nämlich komplett untalentiert.
verschiedene Sorten von Kürbissen auf der "Desert Hill" Farm
Pumpkin field

Jeden Tag, den ich hier bin, lerne ich etwas Neues über Kanada oder die Kultur hier. Zum Beispiel habe ich an diesem Wochenende erfahren, dass Alberta mit dem Südpol, Grönland und der Teile im Norden Russlands und Kanada, keine Ratten hat. Wirklich, ernsthaft! Googelt das mal. Dort kommt eine Weltkarte, auf der die ganze Welt markiert ist, außer ein kleines Gebiet in Nordamerika: Alberta. Oder ich lerne mehr über verschiedene Sportarten hier, Eishockey oder Baseball zum Beispiel.

Sonntagabend war dann das große Thanksgiving Dinner. Es gab traditionell Turkey (schmeckt so wie Gans, wirklich), mashed potatoes (Kartoffelbrei), stuffing (das, was in dem Vieh drin war; undefinierbar, aber sehr beliebt; viele meinten zu mir, dass das das Beste für sie am Ganzen ist.), cranberry sauce (süße Soße), Gravy (angedickte Bratensoße, ebenfalls sehr beliebt), Süßkartoffelpüree gebacken mit einer braunen Zuckerkruste drauf (mein Favourit), so mit Reis und Soße gefüllte Blätter (auch echt lecker) und zu guter Letzt das Pinke, was ich nicht identifizieren konnte. Ich musste nachfragen: Eine Art Salat (auch traditionell hier), aber total süß. Also eher eine Art Nachtisch. Mit Sahne und Fruchtsirup gemacht. Der Sinn dahinter? Um etwas Süßes auf dem Teller zu haben, als Ausgleich. Das wurde mir so gesagt. Hier ein (nicht besonders appetitlich aussehendes) Bild von meinem Teller:
Thanksgiving Dinner
Turkey
Und ein Bild vom Vogel.

Zum Nachtisch gab es Pumkin Pie. Und oh mein Gott, das war sooo gut! Ich kann wirklich nicht verstehen, warum es den nur an Thanksgiving gibt. Nicht mal an Weihnachten!
Pumkin Pie

Am Mittwoch hatte ich dann mein nächstes Rennen. In Kamloops, unten am Fluss in einem Park. Derselbe Park, wo ich mit Paula die kleine Rehfamilie gesehen habe. Dieses Mal waren es bestimmt an die 12 Stück.
City Championships! Aber es zählte nicht für irgendetwas Besonderes. Nächste Woche ist dafür das wichtigste Rennen, die „Provincials“. Da geht es darum, ob man in Abbotsford gegen 250 andere aus ganz British Columbia antritt. Es war aber trotzdem toll, dritter zu werden, weil wir das erste Mal Medaillen bekommen haben! Ich wäre niemals dritter geworden, wenn nicht die beste von unserer Schule in meiner Altersklasse mitgelaufen wäre. Sie wird nämlich jedes Mal erster. Chance ergriffen! Das Rennen war mit dem in Clearwater das Beste.

Hier in Kanada läuft ja gerade der Wahlkampf. Und eine Sache, bei der ich richtig geschockt war, dass das nicht illegal war, ist, dass man Anti-Werbung machen darf. Im öffentlichen Fernsehen, während einer Pause im Football-Spiel zum Beispiel, kommt einfach eine Werbung, die dafür wirbt, NICHT für Justin Trudeau zu wählen. Aus dem und dem Grund. Als ich das das erste Mal gesehen habe konnte ich es echt nicht glauben!
Aber zurück zur Wahl. Am Donnerstag in der Schule haben wir eine Schulweit Wahl gemacht. Die Klassen wurden nacheinander aufgerufen und konnten in der Bibliothek ihre Stimmen abgeben. Wie in einem richtigen Wahllokal. Und eine meinte, dass das jede Schule an diesem Tag gemacht hat. Wohl Kanada weit! Ich denke zwar nicht, dass diese Stimmen für die eigentliche Wahl zählen, aber schon, dass die Landesweit ausgewertet werden. Das finde ich echt eine gute Sache. Man sollte das mal in Deutschland einführen, vielleicht steigert das ja in Zukunft auch die Wählerzahlen, weil man in der Schule schon gewählt hat und sich damit auseinandergesetzt hat und dann einfach weiter macht damit.

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